Populärkultur

Populäre Musik und Videoclips

„Populäre Musik ist als ein Ensemble sehr verschiedenartiger Genres und Gattungen der Musik zu verstehen, denen gemeinsam ist, dass sie massenhaft produziert, verbreitet und angeeignet werden (…)“ (Wicke/Ziegenrücker 2007). Die Zusammensetzung dieses Ensembles befindet sich in ständiger Veränderung, weshalb sich Populäre Musik nicht auf einen fixen Katalog von Merkmalskomplexen festlegen lässt. Im Bereich der Wissenschaften stellt Populäre Musik nach wie vor eine Herausforderung dar. Ihre Analyse ist traditionell Gegenstand von verschiedenen Disziplinen, wodurch in der neueren Zeit gegenläufige Analyseparadigmen entstanden, was sich insbesondere in der Aufspaltung in einen musikwissenschaftlichen und einen kulturwissenschaftlichen Forschungszweig zeigt. Die Diskrepanz bestehender Ansätze manifestiert sich in einer Fülle von Begriffen und Konzepten, von denen Sound, Performance und Gender nur einen prominenten Ausschnitt bilden. Aufgrund dieser vielgestaltigen Forschungspraxis erscheint es ebenso sinnvoll wie notwendig, Theorie und Methodologie der Populären Musik neu zu ordnen und Analyseansätze zu entwickeln, die angemessene Zugänge zur gesellschaftlichen Realität Populärer Musik ermöglichen. Dies betrifft sowohl materielle Aspekte wie Klangkonfigurationen, Mediengattungen und (inter)personale Verkörperungsformen, wie auch Prozesse der kollektiven Identitätsbildung. Populäre Musik kann somit gleichermassen als Hybridformel gelesen werden, in der die Assimilationsfähigkeit von Elementen unterschiedlicher Kulturen zum Tragen kommt,die Analyse Populärer Musik ist folglich immer auch Kontextanalyse (vgl. Wicke 2003).

(Musik-)Videoclips sind als eigenständige mediale Gattung zu verstehen, die als Forschungsgegenstand inzwischen Einzug in Sozial-, Kultur-, Kommunikations- und Medienwis­senschaft gefunden haben. Videoclips sind v.a. durch ihre zeitliche Begrenztheit gekennzeichnet, jedoch inhaltlich, strukturell und ästhetisch äußerst vielseitig, weswegen Videoclips sowohl als Werbespots, Musikvideos und Web-Clips vorliegen. Insbesondere Musikvideos wandern seit Jahren verstärkt vom Fernsehen auf Videoclip-Plattformen wie YouTube oder Vimeo, zugleich steigt auch auf Social Network Sites wie Facebook die Anzahl an geposteten Videoclips. Somit stehen sich professionell gestaltete Inhalte und von Amateuren produzierter „user generated content“ gleichberechtigt gegenüber. Der analytische Fokus liegt daher sowohl auf den Inhalten und der ästhetischen Gestaltung dieser unterschiedlichen audiovisuellen Kurzformate, als auch auf den Distributionsweisen und den interaktiven Rezeptionsmöglichkeiten und -mustern (z.B. durch Kommentieren, Liken und Teilen von Videos). Populäre Musik spielt für audiovisuelle Kurzformate – und speziell natürlich für Musikvideos – eine wesentliche Rolle und muss daher auch entsprechend analysiert werden. In Musikvideos werden die Bildereignisse zu einem bereits bestehenden Musikstück hinzugefügt, dies eröffnet spezifische Fragestellungen hinsichtlich Themen wie Synästhesie, Intermedialität und Intertextualität, Zitativität, Assoziativität, Polysemie und nach möglichen Bedeutungsüberschüssen, die durch das Zusammenspiel von Bild, Songtext und Musikstück entstehen können.

Im Forschungsprojekt „Bild-Text-Ton-Analysen am Beispiel der Gattung Videoclip“ wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Neumann-Braun die Web-Applikation trAVis entwickelt, die es ermöglicht alle Bild-, Text- und Tonereignisse eines audiovisuellen Kurzformats in einer frei editierbaren Arbeitsfläche zu transkribieren und somit für eine individuelle Analyse aufzuschlüsseln.

trAVis ist kostenfrei zugänglich unter:
www.travis-analysis.org

 

Kontakt:
Dr. Daniel Klug
E-Mail: Daniel.Klug@unibas.ch

Kooperation:
PD Dr. Christofer Jost
Zentrum für Populäre Kultur und Musik Freiburg (ZPKM)