Populärkultur

Reality-TV

Scripted Reality-Programmangebote in Fernsehen und Internet. Vergleichende Produktions- und Produktanalysen für den Senderaum (deutschsprachige) Schweiz
gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) Laufzeit: 2014 – 2016

Projektleitung:
Prof. Dr. Klaus Neumann-Braun
Email: k.neumann-braun@unibas.ch

Projektmitarbeiter:
Dr. Daniel Klug
Email: Daniel.Klug@unibas.ch

Das Forschungsprojekt widmet sich dem Themenkomplex der Scripted Reality-Formate im Fernsehen und zugehöriger ergänzender Angebote im Internet. Ausgangspunkt der Forschung ist die Einschätzung, dass es sich bei Scripted Reality-Formaten nicht um gänzlich dem Fiction-Bereich zuordenbare Formate handelt. Grundlage dieser Einschätzung ist der Umstand, dass Scripted Reality-Formate wie „Berlin – Tag & Nacht“ (RTL II), „Die Schulermittler“ (RTL), „Familien im Brennpunkt“ (RTL) oder „Verdachtsfälle“ (RTL) die Darstellungsressourcen schauspielerischer Laien ausnutzen, welche einem Drehbuch folgend scheinbar alltägliche Situationen nachstellen. Kamerastil und Ästhetik der Präsentationsweise sind in Scripted Reality-Formaten jedoch bekannten Reality-TV-Sendungen nachempfunden, so dass eine enge Verwandtschaft zu Formen des „factual entertainment“ besteht. Das Forschungsprojekt widmet sich dem Phänomen Scripted Reality-TV auf den Ebenen Ordnungsvorschläge in einschlägiger Literatur, Produktion von Scripted Reality-Formaten und Angebots- und Formatstrukturen des Produkts in Fernsehen und Internet.

Ziel ist es erstens, Scripted Reality-Formate im Kanon des Reality-TV-Genres zu verorten und darauf aufbauend eine Typologie zu entwickeln. Hierzu erfolgt eine umfangreiche Sichtung relevanter Literatur zu den Aspekten der Realitätsbezüge, der Inszenierungsbausteine und der Typologie(sierung). Zweitens soll durch produktions- und produktanalytisch angelegte Formatanalysen das formatspezifische Zusammenspiel von Unterhaltung (als televisuelle Eigenwirklichkeit) und Information (als Bezug auf Aussermediales) am Analysegegenstand dargelegt werden. Produktions- und Produktanalyse verlaufen dabei im Wesentlichen verschränkt. Die Produktionsanalyse zielt auf die exemplarische Rekonstruktion der Herstellung von Reality-TV- und Scripted Reality-Sendungen ab, die Angebots- und Formatanalyse umfasst auf Basis der Re-Analyse bereits vorhandener Programmanalysen die systematische Erfassung des Scripted Reality-Angebots in Fernsehen und Internet. Im Bereich der Formatanalysen werden zentrale Strukturen der untersuchten Sendungen entlang konstanter Analysedimensionen der Kommunikatebene (z.B. Form, Inhalt, Dramaturgie) und der Kommunikationsebene (z.B. paratextuelle Konzeption, Deutungsmuster) erarbeitet und eine typologisch abgeleitete Stichprobe an Sendungen analysiert. Darauf aufbauend sieht der dritte Schritt die Analyse der Angebots- und Formatstrukturen von Scripted Reality-Formaten in parallelen Internetangeboten vor, um cross-medial generierte Realitätseffekte von Scripted Reality mit einzubeziehen und deutlich zu machen. Das Forschungsprojekt strebt in seiner Ausrichtung einen Theorie-Praxis-Transfer an und setzt sich zum Ziel, forschungsrelevante Ergebnisse darüber zu liefern, wie ‚wirklich‘ die (Medien-)Wirklichkeit heute noch ist – eine Frage, deren Brisanz sich in ersten Studien (Götz et al. 2012) bereits erweist, da diese zeigen, dass v.a. Jugendliche Scripted Reality als echt einschätzen, weil das Fiktionale absichtlich ‚vertuscht‘ wird.

Hier finden Sie den Flyer zum Projekt (PDF).